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Plakat zur Wahl zur Deutschen Nationalversammlung, 1919

Nach Beendigung des Ersten Weltkriegs, dem Rücktritt von Kaiser Wilhelm II. und der Revolution der Soldaten und Arbeiter Ende 1918, stimmte die provisorische Regierung Deutschlands für die Abhaltung allgemeiner Wahlen zur Einberufung einer Nationalversammlung nach dem Zusammenbruch des "Zweiten Reichs". Als Datum für die Wahlen wurde der 19. Januar 1919 festgelegt. Bei dieser Wahl erhielten Frauen in Deutschland das erste Mal Stimmrecht. Das Plakat sagt, dass dies "Des deutschen Volkes großer Tag" sei und betont, dass jede Stimme wichtig sei. Wegen der politisch-revolutionären Unruhen in der Hauptstadt Berlin wurde beschlossen, dass sich die Nationalversammlung in der "Hauptstadt der Klassik", dem kleinen und beschaulichen Weimar konstituieren sollte, das zudem in der Mitte des Landes lag. Am 6. Februar versammelten sich die Delegierten zum ersten Mal und ernannten zum provisorischen Präsidenten den Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Dieser wiederum ernannte die erste Regierung der jungen Republik. Der Versammlungsort der Nationalversammlung gab schließlich den  nicht-offiziellen Namen für das politische Gebilde: "Weimarer Republik".

 

Plakat zur Wahl zur Deutschen Nationalversammlung, 1919 
 
Das hier gezeigte Plakat wurde durch den jüdischen Arzt Arthur Czellitzer bewahrt, der bis zum Beginn der NS-Zeit in Berlin eine private Klinik betrieb. Czellitzer interessierte sich für diverse historische Phänomene und auch für jüdische Genealogie; zudem besaß er offensichtlich ein ausgeprägtes historisches Interesse, das in seiner Sammlung der Ephemera (Plakate und Handzettel) aus der Zeit von 1918-1928 zum Ausdruck kommt. Diese Sammlung besteht aus Hunderten von Einzelstücken von verschiedenen Parteien und vielen Kandidaten für unterschiedlichste Wahlen in der Zeit der Weimarer Republik. Nach allem Anschein sammelte Czellitzer diese Stücke in Berlin. In vielen Fällen fügte er handschriftlich das Datum hinzu, an dem er ein Plakat oder einen Handzettel an sich nahm, manchmal sogar den genauen Ort und heftete diese ab. Im Jahr 1936 stiftete Czellitzer seine Sammlung der Jüdischen Universitäts- und Nationalbibliothek in Jerusalem. Dr. Arthur Czellitzer wurde im Jahr 1943 im KZ Sobibor ermordet.