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Die NS-Zeit, der Zweite Weltkrieg und der Holocaust

Im Laufe der zwölf Jahre zwischen 1933 und 1945 ereigneten sich in Deutschland Entwicklungen und Verwerfungen, die das Wesen des Landes komplett veränderten. Die Veränderungen, die Deutschland in jenen Zeichen durchlief, veranschaulichen bis heute, dass ein hohes kulturelles Niveau nicht zwangsläufig den Machtantritt barbarischer Kräfte verhindern kann, die es augenscheinlich in jeder menschlichen Gruppe gibt. Die Verfolgung der Juden, das Unterdrücken pluralistischer Meinungen, die Eroberung und massive Zerstörungen großer Teile Europas während des zweiten Weltkriegs vernichteten den Ruf Deutschlands als "Land der Dichter und Denker" und verliehen dem Ausspruch des Dramatikers Karl Kraus Geltung, wonach Deutschland zum "Land der Richter und Henker" geworden sei.

Auch heute, 70 Jahre nach dem Ende dieses schlimmen Kapitels, beschäftigt die Epoche zahlreiche Menschen, Geschichtswissenschaftler, Soziologen, Psychologen, Künstler und viele andere. Im Zentrum des Interesses steht die Frage: Wie konnte das passieren? Wie vermochten es die Nazis innerhalb kurzer Zeit die allgemeinen Konventionen der modernen Welt in Bezug auf Menschlichkeit, Gesetz und Kultur aufzuheben? Wie konnte es sein, dass ein großer Teil der Bevölkerung ihnen darin folgte oder zumindest nichts dagegen unternahm? Keine andere Epoche in der deutschen Geschichte wurde so intensiv erforscht, wie die Zeit des „Dritten Reichs“, und keine andere Epoche gab so vielen literarischen und cineastischen Werken den entsprechenden Rahmen, wie die Terrorjahre des Nazi-Regimes.


לחצו להגדלהDie Liste der Ereignisse und Vorgänge, die sich in jenen Jahren ereigneten, ist lang und erschüttert bis heute: Die Nationalsozialistische Partei Adolf Hitlers wurde zwar schon Anfang der 20er Jahre gegründet, doch an wirklicher Bedeutung gewann sie erst am Ende dieses Jahrzehnts. Bei den beiden Reichstagswahlen 1932 – unter dem Schatten von Massenarbeitslosigkeit und tiefer Wirtschaftskrise – erhielt sie die meisten Stimmen, doch nicht die absolute Mehrheit. Als Ergebnis der Erfolge dieser Partei war der Reichspräsident, Paul von Hindenburg, der Meinung, dass die Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler Ende Januar 1933 ohne Alternative sei. Sofort mit ihrem Machtantritt unternahmen sie große Anstrengungen, um demokratische Stimmen in der deutschen Öffentlichkeit zum Verstummen zu bringen. Bei den im März 1933 abgehaltenen Wahlen, den letzten für viele Jahre, verbesserte die Hitlerpartei erneut ihr Ergebnis und im Weiteren wurden alle anderen Parteien außer der NSDAP verboten. Demokraten und linke Politiker wurden verhaftet oder sogar ermordet. Nur wenige Monate nach dem Machtantritt der Nazis setzten die antisemitischen Verfolgungen ein: jüdische Beamte wurden aus dem Dienst entlassen, jüdische Firmen wurden „arisiert“, herausragende Figuren des deutschen Judentums wurden inhaftiert und darüber hinaus noch eine Reihe weiterer Terrormaßnahmen gegen Juden unternommen. Als Reaktion darauf verließen ca. zwei Drittel der in Deutschland lebenden Juden das Land und wanderten nach Amerika, Palästina und in andere Länder aus. Die Auswanderung nach Palästina ist als „Fünfte Alijah“ bekannt. In Palästina reagierte die Öffentlichkeit sofort mit einem Boykott deutscher Produkte, worüber Plakate und Demonstrationen Zeugnis ablegen.

 
In den Jahren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stärkte die NSDAP weiter ihre Stellung und erweiterte ihren Einfluss auf sehr große Teile der Bevölkerung. Fast alle Bereiche der Gesellschaft standen unter zentraler Aufsicht. Im Herbst 1935 wurden die „Rassegesetze“ in Nürnberg erlassen. Diese Gesetze legten fest, wer Jude war bzw. jüdischer Abstammung. Auf der Grundlage dieser Definitionen wurden den Menschen, die in diese Kategorien fielen, die meisten bürgerlichen Rechte aberkannt, jegliche intime Beziehungen mit „Ariern“ (nicht-jüdischen Deutschen) wurden untersagt und damit den Juden unerträgliche Lebensbedingungen aufgezwungen. 1936 fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt und die Nazis nutzten diese Gelegenheit, um die Stärke des „Neuen Deutschland“ zu demonstrieren und die Länder der Welt von den „friedlichen Bestrebungen“ Deutschlands zu überzeugen.  
 
לחצו להגדלהZwei Jahre später entschied Adolf Hitler, Österreich dem Dritten Reich anzuschließen und seitdem bezeichnete man Deutschland als „Großdeutschland“. Große Teile der österreichischen Bevölkerung hießen das deutsche Regime willkommen und vielen war sehr deutlich bewusst, dass Hitler eigentlich österreichischer Abstammung war. Die Juden Österreichs litten sofort unter den Repressalien der Nazis. Im September 1938 erhielt Hitler die Zustimmung Frankreichs und Großbritanniens zur Angliederung des Sudentenlands (das mehrheitlich von Deutschen bewohnt war), welches bis dahin zur Tschechoslowakei gehört hatte. Die westlichen Mächte hofften damit Hitlers Bestrebungen befriedigt und den Weltfrieden gerettet zu haben, dessen Ende jedoch in Berlin längst beschlossene Sache war. Die Eingliederung von ganz Böhmen im März 1939 war nur ein weiterer Schritt hin zum September 1939, als die Wehrmacht in Polen einfiel und damit den Zweiten Weltkrieg auslöste.
 
Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs ist hinreichend bekannt und dies ist nicht der Platz, diese detailliert wiederzugeben: Die „Achsenmächte“ (Deutschland, Italien und Japan) eroberten und zerstörten große Teile der Welt, mehr als 50 Millionen Menschen zahlten mit ihrem Leben, darunter die sechs Millionen jüdischer Holocaustopfer. Schließlich wurde Deutschland – innerhalb von 27 Jahren – zum zweiten Mal vollständig besiegt. Die Alliierten bezwangen unter großen Anstrengungen die Armeen der „Achsenmächte“ und befreiten die eroberten Gebiete, darunter schließlich auch Deutschland, das sich selbst in ein zerstörtes Land verwandelt hatte.