Weimarer Republik

Im Zeitraum zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und und der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten 1933 war Deutschland in jeder Hinsicht eine parlamentarische Republik. Wegen großer politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Spannungen misslang jedoch dieser demokratische Versuch nach nur 14 Jahren.

In den Zusammenkünften der Nationalversammlung im Weimarer Nationaltheater 1919 erarbeiteten die Vertreter eine moderne demokratische Verfassung, die der deutschen Gesellschaft nach hunderten von Jahren unter der Monarchie eine neue Basis verlieh. Diese Verfassung gilt bis heute als progressiv, doch gab es zwischen den guten Absichten der meisten Volksvertreter und der anschließenden Umsetzung in der Zeit der Republik einen bedeutenden Abstand, der schließlich zum Versagen der ersten Demokratie auf deutschem Boden führte.

Zwar wurde in Folge der Revolution von 1918 der alten Adelselite jegliche politische Kraft genommen, doch verblieben viele der Beamten auch nach der politischen Veränderung im Amt und unterstützten meist nicht das demokratische System.
Trotz all der Schwierigkeiten der jungen deutschen Demokratie war das parlamentarische System gut entwickelt. Zahlreiche Parteien rangen um die Wählergunst und das erste Mal in der deutschen Geschichte wurde auch Frauen seit 1919 das Wahlrecht eingeräumt. Das Parteienspektrum war recht umfangreich und umfasste alle Strömungen und Ideologien, von Links (Kommunistische Partei) über die Parteien der Mitte (Sozialdemokraten, Liberale, Zentrum), bis zur Rechten (Deutsch-nationale Volkspartei und später auch die NSDAP). Die Prozenthürde war sehr niedrig, was die Anzahl der Fraktionen im Reichstag stark erhöhte und die Bildung stabiler Koalitionen über die gesamten 14 Jahre der Weimarer Republik erschwerte.
 
Der Beginn dieser politischen Konstruktion gestaltete sich äußerst schwierig und es mussten zahlreiche Probleme durchlaufen werden: die Niederlage im Ersten Weltkrieg und die gewaltigen Reparationszahlungen an die Aliierten, viele ehemalige Soldaten, verwundet oder arbeitslos, die allgemeine Desorientierung und die Hyperinflation bis Ende 1923, als ein Laib Brot viele Milliarden Mark kostete. Ab 1924 zeichnete sich eine allmähliche Konsolidierung ab und der Zeitraum bis 1929 wird als die "Goldenen Zwanziger" bezeichnet. Mit der Weltwirtschaftskrise, die 1929 ausbrach und besonders schwer die deutsche Wirtschaft traf, stieg die Zahl der Arbeitslosen auf bislang unbekannte Zahlen an (im Jahr 1932 fünfeinhalb Millionen!). Im Gefolge der Krise wurde auch das politische System zunehmend instabil. Diese Konditionen ermöglichten der Nationalsoialistischen Partei ihr Erstarken und ihre zunehmende Popularität in der Gesellschaft.
 
Trotz alledem gilt die Zeit der Weimarer Republik als eine der dynamischsten in der deutschen Geschichte: Zu erwähnen ist der technologische und wissenschaftliche Fortschritt (Albert Einstein, Max Planck und Gustav Herz beschäftigten sich in Berlin mit ihren Forschungen), Radioübertragungen erreichten die breite Öffentlichkeit, deutsche Luftschiffe überquerten den Atlantik, Tonfilme kamen in die Kinos u.v.m.

In den Jahren zwischen 1919 und 1933 erhielten 14 deutsche Wissenschaftler den Nobelpreis. Auf dem Gebiet des Design und der Kunst kamen bedeutende Neuerungen aus dem berühmten Bauhaus; die moderne deutsche Literatur fand zahlreiche Leser und die Populärmusik wurde aus den USA beeinflusst, wie etwa der Erfolg des Gesangssextetts "Comedian Harmonists" bezeugt, das aus drei jüdischen und drei christlichen Mitgliedern bestand und das die Konzertsäle in Deutschland und Europa eroberte.
 
Viele deutsche Juden – nicht alle können hier genannt werden – fanden in zahlreichen Gebieten ihre Wirkungsstätten: zum Beispiel zwei der Gründer der Kommunistischen Partei, Rosa Luxemburg und Leo Jogiches, der Vorstandsvorsitzende von AEG und Außenminister Deutschlands 1922, Walter Rathenau (alle drei wurden von rechtskonservativen Aktivisten ermordet), der Dirigent und Komponist Otto Klemperer, die Schauspieler Alexander Granach und Kurt Gerron, die Schriftsteller Else Lasker-Schüler, Lion Feuchtwanger und Jakob Wassermann, der Theaterregisseur Max Reinhard, die Wissenschaftler Albert Einstein, James Franck und Gustav Herz, die Philosophen Ernst Cassirer, Leo Strauss und Ernst Bloch sowie schließlich der Architekt Erich Mendelsohn.