Hintergrund

75 Jahre deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert: Eine kumulative Ausstellung von Exponaten aus den Sammlungen der Israelischen Nationalbibliothek anlasslich des 50jährigen Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel (1965-2015)


Kurator: Dr. Stefan Litt, Archivabteilung

Gegenwärtig wird weltweit einer Reihe von historischen Ereignissen gedacht, die in enger Verbindung zu Deutschland stehen, wie etwa 100 Jahre des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs, 75 Jahre des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs, 25 Jahre Mauerfall, 70 Jahre seit Ende des Zweiten Weltkriegs und 50 Jahre des Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel.

 

In der Epoche von 1914-1989 ereigneten sich zusätzliche historische Begebenheiten, die das 20. Jahrhundert gleichzeitig als eines der positivsten und eines der negativsten in der deutschen Geschichte markieren: die Niederlage im Ersten Weltkrieg und infolge dessen die Hyper-Inflation in Deutschland, die erste echte Demokratie in Deutschland und die "Goldenen Zwanziger Jahre", die so genannte "Machtergreifung" der Nationalsozialisten, die Nürnberger Rassengesetze, der Vernichtung der Juden Europas, die Niederlage im Zweiten Weltkrieg, die Teilung Deutschlands und der "Kalte Krieg", die Verträge über die Entschädigung der NS-Opfer zwischen Deutschland und Israel und weitere.

 

Die deutsche und die jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts sind auf komplizierte Weise miteinander vernüpft. Juden waren mit einer Reihe dieser Ereignisse in gewisser Weise verbunden, sei es als politisch, wirtschaftlich oder kulturell Handelnde, sei es als Opfer in den finstersten Zeiten der deutschen Geschichte. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es in der Historiografie großes Interesse an der so genannten "deutsch-jüdischen Symbiose" und ihrem Scheitern gibt. Heute beginnt auch die breite israelische Öffentlichkeit erneut, sich für deutsche Geschichte und Kultur zu unteressieren. Der stark zunehmnde Tourismus von Israelis, insbesondere nach Berlin, ist lediglich ein Anzeichen dafür, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine neue historische Perspektive im Entstehen begriffen ist.

 

In den Sammlungen der Israelischen Nationalbibliothek finden sich zahlreiche Stücke, die die engen Bindungen zwischen Juden und Deutschen (und zwischen beiden Staaten) dokumentieren, wie auch das gegenseitige Interesse und die Einflüsse: Bücher, Archivstücke, Fotografien und auch musikalische Werke. Die Israelische Nationalbibliothek eröffnet eine kumulative virtuelle Ausstellung, in der 50 Exponate aus ihren Sammlungen päsentiert werden, die mit dem eingangs geschilderten historisch-kulturellen Hintergrund zwischen beiden Völkern in Zusammenhang stehen. Jede Woche wird ein neues Exponat auf der Webseite der Bibliothek vorgestellt und durch einen kurzen Text erläutert und kontextualisiert.

Für die Epoche der Ausstellung wurden vier Teilbereiche zwischen 1914 und 1989 definiert:

 

1. Der Erste Weltkrieg

2. Die Weimarer Republik

3. Die NS-Zeit, der Zweite Weltkrieg und der Holocaust

4. Die Teilung Deutschlands, der Kalte Krieg und der Fall der Mauer


 

Einige Exponate werden nahe am historischen Datum präsentiert (wie etwa die Unterzeichnung der Entschädigungsverträge am 10. September oder die "Reichskristallnacht" am 9 November), andere werden ohne terminlichen Zusammenhang im Laufe des Jahres vorgestellt.