Erster Weltkrieg – Einführung

Der Erste Weltkrieg brach am 28. Juili 1914 aus und endete offiziell am 11. November 1918. An diesem Krieg nahmen an die 40 Staaten teil und an den verschiedensten Fronten in der Welt waren ca. 70 Millionen Soldaten unter Waffen. Bis dahin hatte die Menschheit noch nie solch einen massiven Ausbruch kriegerischer Gewalt erlebt. Bei den Kriegshandlungen stie​ßen die st​ärksten Armeen der modernen Welt aufeinander: Österreich-Ungarn, das Deutsche Kaiserreich und das Ottomanische Reich sowie anfangs auch Italien auf der einen Seite, Großbrittanien, Frankreich, Russland und später auch die USA auf der anderen Seite.  Im Laufe des Krieges starben an die 20 Millionen Menschen und einige Reiche verschwanden von der Landkarte: das zaristische Russland verwandelte sich in die kommunistische Sowjetunion, Österreich-Ungarn zerfiel und stattdessen entstanden eine Reihe von neuen Staaten auf dem Balkan, wie auch die Republik Österreich. Diese sah zunächst keinen Nutzen in einer eigenständigen Existenz sondern suchte die Verbindung zu Deutschland, was jedoch von den Alliierten unterbunden wurde. Ebenso zerbrach das Ottomanische Reich und an seiner Stelle entstand die neue türkische Republik, wie auch weitere Gebilden, unter ihnen die Mandatsgebiete im Nahen Osten. Das kaiserliche Deutschland  verwandelte sich in die Weimarer Republik und verlor vor allem im Osten, aber auch im Westen erhebliche Territorien. Viele der großen Monarchien verschwanden und an nicht wenigen Orten wurden bedeutende Schritte bei der Implementierung des demokratischen Systems gemacht.

In allen Armeen kämpften jüdische Soldaten als Staatsbürger der Länder, in denen sie lebten. Deutsche Juden meldeten sich seit August 1914 mit derselben Begeisterung zum Kriegsdienst wie die meisten der anderen deutschen Staatsangehörigen. Etwa 100.000 jüdische Soldaten kämpften in den Reihen der deutschen Armee, 12.000 von ihnen fielen auf den Schlachtfeldern. Antisemitisch eingestellte Offiziere, die davon überzeugt waren, dass die meisten Juden lieber eine sichere Aufgabe suchen würden, statt in den vordersten Linien als Soldat mit zu kämpfen, forderten im Jahr 1916 eine "Judenzählung" im Heer um ihre Vorwürfe zu beweisen. Die Ergebnisse der Zählung wurden bis Kriegsende nicht veröffentlicht, womit wiederum Räume für Spekulationen über die Gründe für diese Heimlichtuerei geschaffen wurden. Auch nach Kriegsende ebbten die Diskussionen über das Thema nicht ab; der Ruf der Juden aber blieb befleckt. Als Antwort auf die antisemitischen Vorwürfe und auf den Ausschluss von Juden aus dem Soldatenbund "Stahlhelm" gründeten ehemalige jüdische Soldaten die Organisation "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten". Die Affäre um die "Judenzählung" verdeutlichte den jüdischen Soldaten aufs schärfste, wie stark die antisemitischen Ressentiments noch immer in breiten Kreisen der Deutschen verwurzelt waren. Die Tendenz verstärkte sich sogar noch und der Antisemitismus nahm in den Jahren der demokratischen Weimarer Republik weiter zu (siehe auch den zweiten Teil dieser virtuellen Ausstellung).

 
Bis zum Ausbruch des "Großen Kriegs" galt Deutschland als politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Großmacht. Die deutsche Sprache hatte den Rang einer "Kultursprache" vor allem im nörlichen und östlichen Europa. Die deutschen Universitäten gehörten weltweit zu den führenden Bildungseinrichtungen. Deutsche Denker und Forscher bestimmten in großem Maße die Tagesordnungen in den wissenschaftlichen, kulturellen und philosophischen Diskursen. Jedoch vernichteten das brutale Vorgehen deutscher Soldaten in besetzten Gebieten und an den Kriegsfronten, die großen Zerstörungen in den eroberten Regionen und schließlich auch die Niederlage im Krieg nicht wenig vom Ansehen Deutschlands und minderten seine Stellung auf zahlreichen Gebieten.