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Der Künstler Hermann Struck und sein Werk: von der Berliner Secession zu den Landschaften Palästinas

Portrait von Hermann Struck mit dessen UnterschriftPortrait einer jungen jüdischen Frau aus Russland
Portrait von Hermann Struck mit dessen UnterschriftPortrait einer jungen jüdischen Frau aus Russland

 

Hermann Struck war einer der herausragenden Künstler in Deutschland um 1900. Sein Werk besticht vor allem durch seine grafischen Arbeiten, Radierungen und Lithografien, doch schuf er auch Ölgemälde und Skulpturen. Struck wurde 1876 als Sohn einer Berliner orthodoxen jüdischen Familie geboren. Seine Fähigkeiten als Künstler erlernte er in den Jahren 1895-1900 an der Berliner Kunstakademie. Seit 1904 war Struck Mitglied der Berliner Künstlervereinigung "Secession", durch die moderne Kunststile propagiert wurden. Die Aktivitäten in der Secession werden allgemein unter dem Begriff "Berliner Impressionismus" zusammengefasst. Die Vereinigung und ihr Kunstkonzept haben den persönlichen Stil Strucks in seinem künstlerischen Schaffen stark beeinflusst. Der Präsident der Vereinigung war der bekannte Maler Max Liebermann und unter den Mitlgiedern fanden sich Ernst Barlach, der spätere Bauhaus dozent Lionel Feininger, Käthe Kollwitz, Edvard Munk, Lesser Uri, Heinrich Zille und viele andere.

Strucks Renommee als Experte für grafische Bildtechniken führte dazu, dass andere zeitgenössische Künstler sich bei ihm darin profilierten: Jacob Steinhardt, Hosef Budko, Marc Chagall, Anna Tycho und sogar Max Liebermann. Die Fähigkeiten Strucks ermöglichten es ihm, Zeichnungen und Grafiken auch während einiger besonderer Lebensabschnitte anzufertigen. Im Jahr 1903 fuhr er nach Palästina, und gab im Anschluss daran eine Mappe mit Radierungen von palästinischen Landschaften und Menschen heraus, die er während dieser Reise gesehen hatte.

 

​In den Jahren des Ersten Weltkriegs diente Struck als als Offizier und Referent für jüdische Angelegenheiten beim Oberkommando Ost der deutschen Armee. In dieser Aufgabe hatte der Künstler zahlreiche Berührungspunkte mit der jüdischen Welt Osteuropas. Diese Welt, beeinflusst von der strenggläubigen Tradition und dem Chassidismus, war für Struck völlig neu, wie auch für viele andere deutsche Juden (die meisten von ihnen assimiliert), die während ihrer Dienstzeit in den Kriegsjahren zum ersten Mal von dieser Realität Kenntnis nahmen. Zumeist waren sie von der kulturellen Kraft der osteuropäischen Juden überrascht und begannen, sich für deren Lebensweise näher zu interessieren. ​Portrait einer jungen jüdischen Frau aus Russland
Portrait einer jungen jüdischen Frau aus Russland


Hermann Struck fand in den osteuropäischen Juden ein interessantes Thema für sein Werk. Als ein erstes Ergebnis pruduzierte er Lithografien, die in einer Mappe mit 50 Arbeiten erschien (Skizzen aus Russland – Ostjuden), auf denen jüdische Personen und einige Ansichten von russischen Orten zu sehen sind. Diese Mappe worde in 50 Exemplaren gedruckt – in der Druckerei des Oberkommandos Ost der deutschen Armee. Die meisten der darin enthaltenen Porträts wurden ein weiteres Mal in einem Buch verwendet, dass Struck zusammen mit dem deutsch-jüdischen Schriftsteller Arnold Zweig (der später nach Palästina auswanderte und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder nach Ostdeutschland zurückkehrte) gestaltete.  Dieses Buch – "Das Ostjüdische Antlitz" – verknüpft Strucks Lithografien mit Texten von Zweig, der von der osteuropäisch-jüdischen Welt, die er in den Kriegsjahren kennen lernte, ähnlich beeindruckt war.

 

Radierung mit der Darstellung von Rachels Grab, aus der Palästina-Mappe 

Radierung mit der Darstellung von Rachels Grab, aus der Palästina-Mappe


Die Begegnung mit den osteuropäischen Juden beeinflusste Struck in besonderer Weise. Seine Empathie für deren schwere Lebenssituation (geprägt von Antisemitismus und Pogromen) und seine Überzeugung, dass nur der Zionismus seinen bedrängten Glaubensgenossen eine Lösung geben konnte, wie auch der in Deutschland anschwellende Antisemitismus machten Struck zu einem wirklichen Zionisten. 1921 fuhr er ein weiteres Mal nach Palästina, um dort seine Einwanderung vorzubereiten. Bei dieser Gelegenheit schuf er eine Reihe weiterer lithografischer Arbeiten, die – wieder in Kooperation mit Arnold Zweig – unter dem Namen "Das Neue Kanaan" im Jahr 1925 erschienen. Am Jahresende 1922 wanderte Struck nach Palästina aus und ließ sich in Haifa nieder.

 

​Struck, der bereits durch seine traditionelle Bildung mit dem Hebräischen gut vertraut war, konnte sich schnell in die Gesellschaft seiner neuen Heimat integrieren. Dennoch reiste er ständig in den ersten Jahren nach seiner Auswanderung zurück in seine alte Heimat nach Berlin. Sein Haus in Haifa wurde zu einem Zentrum des Gesellschaftsleben in jenen Jahren. Dort konnte man Politiker, herausragende Angehörige der Gesellschaft und des Kulturlebens in der palästinischen Gesellschaft antreffen.


Struck war an den ersten Schritten zur Gründung des Tel Aviver Kunstmuseums beteiligt. Zwar war er kein offizielles Mitglied dr Gründungskommission, doch half er mit seinen vielfältigen Verbindungen und seinen Wissen bei den Planungen, die vor allem von Mark Chagall und dem ersten Museumsdirektor, Karl Schwarz, vorangetrieben wurden. Eine langwierige Krankheit hinderte Struck an der Teilnahme bei weiteren längeren Projekten und er starb schließlich im Jahr 1944.

Portrait von der "Araberin Hafida", aus der Palästina-Mappe

Portrait von der "Araberin Hafida", aus der Palästina-Mappe