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Der Arzt Felix Theilhaber und der Erste Weltkrieg

Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 rückten junge jüdische Deutsche mit derselben Begeisterung ins Heer, wie Hunderttausende anderer junger Männer aus der deutschen Bevölkerung. Die meisten jüdischen Ärzte in dienstfähigem Alter wurden in den Lazarettdienst eingezogen. Dort wirkten sie als Militärärzte in den vielen Lazaretten, die entsprechend den steigenden Verwundetenzahlen im Laufe der schweren Kämpfe des Krieges eingerichtet wurden.


Einer dieser Ärzte war Felix A. Theilhaber (1887-1956), ein junger Arzt, der in Berlin und München studiert hatte. Bereits als Student zeigte Theilhaber Interesse am Zionismus und an möglichen Wegen zur Einwanderung nach Palästina. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs verhinderte jedoch diese Pläne und stattdessen diente er als Militärarzt in verschiedenen Lazaretten hauptsächlich in Polen, aber anscheinend auch an der Westfront in Belgien. Noch vor dem Dienst im deutschen Heer nahm Theilhaber eine ähnliche Aufgabe im türkischen Heer auf dem Balkan an. Im Lauf des Ersten Weltkriegs wurde er mit der Gewalt des Krieges konfrontiert, vor allem in Form der großen Menge Verwundeter. Doch traf er auch auf eine weitere Seite des Krieges: die weit verbreiteten antisemitischen Stimmungen in der deutschen Armee. Dieses Eindrücke und die tiefe Überzeugung, dass Juden in Deutschland gleichberechtigte Bürger sind, veranlassten ihn, ein Buch über die Erlebnisse jüdischer Kampfpiloten in der deutschen Luftwaffe zu schreiben – einer damals neuen, modernen und hoch angesehenen Waffengattung. Der aktive Anteil von Juden gerade in solch einer Eliteeinheit musste nach Ansicht von Felix Theilhaber ein hinreichender Beweis für die Hingabe der jüdischen Soldaten für Deutschland gewesen sein. Für die Recherche von Daten und Informationen suchte Theilhaber nach ehemaligen Piloten und anderen Soldaten in Kampfflugzeugen in den Jahren zwischen 1914 und 1918. In Briefen, die diese an ihn schickten, berichteten sie über ihre Erlebnisse und manche sandten auch Bilder ein. Einer von ihnen war Fritz Beckhardt, der sich nicht nur als Kampfflieger ausgezeichnet hatte, sondern auch mit höchsten militärischen Auszeichnungen des deutschen Heeres dekoriert worden war. Rein zufällig diente Beckhardt in derselben Fliegerstaffel wie Hermann Göring, dem späteren NS-Führer und Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Das gemeinsam in der Staffel verwendete Symbol war ein Hakenkreuz und auch das Flugzeug von Beckhardt war mit diesem Symbol "geschmückt". Ein Foto davon erschien auf dem Deckel des Buches über die jüdischen Kamfflieger von Felix Theilhaber (siehe Abbldung), das in den 1920er Jahren in zwei Auflagen erschien. Im Jahr 2012 wurde das Buch auch ins Hebräische übersetzt.


 


 

Als Andenken an die Kriegszeiten sammelte Theilhaber Fotografien, von denen er einige vielleicht selbst aufnahm. Mit den Bildern beleuchtete er den Alltag in den Lazaretten, in denen er tätig war, doch finden sich auch Ansichten von der Ostfront in Polen und Russland, wie auch von der Westfront in Belgien. Die Fotografien aus Löwen bezeugen die starken Zerstörungen, die durch das Bombardement von Seiten der deutschen Artillerie verursacht wurden. Für dieses Vorgehen – die Anwendung unangemessener Mittel in einem neutralen Staat – wurde Deutschland international scharf verurteilt. Das Fotoalbum war im Besitz des Sohnes von Felix Theilhaber, Adin Talbar-Theilhaber, der den Nachlass seines Vaters 2013/14 der Israelischen Nationalbibliothek stiftete, nur wenige Monate vor seinem Tod. Diese Fotografien besitzen Seltenheitswert, die meisten waren anscheinend bislang der Forschung unbekannt und hier werden erstmals einige präsentiert.

 


 

Im Weiteren verfasste Theilhaber einige medizinische Fachbücher und auch demografische Untersuchungen. In diesen Forschungen widmete er sich vor allem der jüdischen Bevölkerung Deutschlands und prophezeite ihr Ende, verursacht durch niedrige Geburtenraten, Mischehen und Assimilation. Die für Theilhaber einzige Lösung war die Errichtung eines jüdischen Staates. Trotz dieser Haltung wanderte er – wie viele andere Juden – erst 1935 nach Palästina aus, nachdem ihm als Juden in Deutschland die Berufsausübung verboten wurde. In Palästina gründete Theilhaber, zusammen mit einigen anderen Ärzten deutscher Herkunft, die Krankenkasse "Maccabi" und förderte sportliche Aktivitäten in der breiten Bevölkerung.

 

Quelle: National Library of Israel, Archives department, ARC. 4° 1913 1 26