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Die Teilung Deutschlands, der kalte Krieg und der Mauerfall

Als Folge des zweiten Weltkriegs waren nicht nur viele europäische Länder und andere Teile der Welt verwüstet und ihre Einwohner getötet worden, sondern als Reaktion auf die Taten der Wehrmacht, der SS und anderer Einheiten in den besetzten Ländern wurden Dutzende deutsche Städte bombardiert, ganze Stadtteile zerstört und viele Zivilisten getötet. Der Kriegssturm war an seinen Ausgangspunkt zurückgekehrt. Zum ersten Mal seit Napoleons Zeiten war Deutschland von fremden Armeen besetzt. Das Land wurde in vier Besatzungszonen geteilt: die britische im Nordwesten, die sowjetische im Osten, die amerikanische im Südwesten und die französische im Westen. Mit der militärischen Kapitulation hatte auch die deutsche Regierung aufgehört zu funktionieren. Hitler, Goebbels, Himmler und später auch Göring hatten Selbstmord verübt. Die übrigen Naziführer wurden verhaftet oder änderten ihre Identität und versuchten zu fliehen. Schnell verwandelten sich viele Deutsche von Anhängern des Naziregimes zu „Opfern“, die offenbar nichts von den Taten der deutschen Soldaten in den besetzten Gebieten wussten und schon gar nichts vom Mord an den Juden im Holocaust. Die Übernahme jeglicher Verantwortung stand meist nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste. Die meisten Deutschen waren mit der Beschaffung von Grundnahrungsmitteln und den Aufräumungsarbeiten nach den schweren Bombardierungen beschäftigt. Überlebende des Holocausts und befreite KZ-Häftlinge versuchten, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Zehntausende Juden, viele von ihnen Flüchtlinge aus Osteuropa, fanden Aufnahme in DP-Camps, die in den westlichen Besatzungszonen eingerichtet worden waren. Millionen deutsche Flüchtlinge, die aus den östlichen Reichsgebieten vertrieben worden waren, bemühten sich um einen Platz zum Wohnen und um Arbeit, wurden dabei aber nicht in allen Fällen von den Alteingesessenen willkommen geheißen.
​Die Teilung Deutschland in Besatzungszonen nahm die spätere politische Teilung des Landes bis 1989 vorweg. Jeder der Alliierten setzte in seinem Gebiet seine eigenen Interessen durch. Schnell wurde klar, dass Josef Stalin in Moskau völlig andere Vorstellungen als die politischen Führer Großbritanniens, Frankreichs und der USA hatte. Im Lauf der Jahre verschärfte sich der Interessengegensatz und im Jahr 1949 wurden schließlich zwei deutsche Staaten gegründet: die Bundesrepublik im Westen und die Deutsche Demokratische Republik im Osten. Jedoch war die Bezeichnung „demokratische Republik“ mehr für den äußeren Anschein gedacht, da die Regeln einer Demokratie dort nur sehr bedingt angewandt wurden. Die politische Führung der Sowjetunion sorgte dafür, dass im Osten ein sozialistisch-kommunistischer Staat eingerichtet wurde. Polen wurde auf der Landkarte viele Kilometer nach Westen verschoben, so dass Deutschland erneut große Teile seines Territoriums verlor. Die Westallliierten unterstützten die Gebiete unter ihrer Kontrolle und förderten die Entwicklung eines demokratischen Systems in den westlichen Gebieten Deutschlands. Als Folge davon erholte sich seit den 1950er Jahren die westdeutsche Wirtschaft zusehends und gelangte zu einer neuen Blüte. Hingegen wurden große Teile der ostdeutschen Industrie von den Sowjets als Kriegsentschädigung demontiert und in die Sowjetunion verbracht, so dass hinsichtlich der wirtschaftlichen Stärke von Anfang an ein Missverhältnis zwischen beiden Teilen Deutschlands bestand. Die Realitäten der kommunistischen Wirtschaft verhalfen Ostdeutschland letztlich auch nicht zu einer gesunden Entwicklung.
 
Die politische Teilung fand ihren Ausdruck schließlich auch in der Haltung gegenüber dem Staat Israel. Bis zum Jahr 1989, dem Anfang vom Ende Ostdeutschlands, erkannte dieses nie den Staat Israel offiziell an. Hingegen nahm die westliche Seite recht bald Verhandlungen mit jüdischen und israelischen Vertretern über Entschädigungen für die Holocaustopfer auf, was jedoch – aus unterschiedlichen Gründen – nicht vorbehaltlos von allen Teilen der israelischen, wie auch der deutschen Bevölkerung akzeptiert wurde. In Israel lehnten nicht wenige Menschen jeglichen Kontakt mit deutschen Stellen ab und waren nicht bereit, Geld als Kompensation für den Völkermord anzunehmen. Auf der anderen Seite opponierten alte Nazi-Anhänger (die nach 1945 überhaupt noch nicht aus der Öffentlichkeit verschwunden waren) gegen jegliche „Geschenke“ an Juden. Trotz aller Probleme wurde 1952 in Luxemburg das Abkommen über die Entschädigungszahlungen unterzeichnet. Anschließend wurden weitere Schritte vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet unternommen und 1960 trafen sich erstmals offiziell der israelische Ministerpräsident David Ben-Gurion und der westdeutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer in New York.
 
In den 60er Jahren wurden zahlreiche Veränderungen und Entwicklungen durchlebt: 1961 wurde die Teilung Deutschlands durch den Bau der Berliner Mauer und die Errichtung eines Grenzzauns zwischen beiden Teilen Deutschlands verschärft. In Israel und Deutschland wurden wichtige Prozesse gegen Nazis abgehalten: In Israel fand der „Eichmann-Prozess“ statt und in Westdeutschland der Auschwitz-Prozess, beide unter starker Aufmerksamkeit der Medien. 1965 vereinbarten die israelische und die westdeutsche Regierung die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Im Weiteren erfolgten zusätzliche und nicht-offizielle Schritte zur Annäherung der beiden Staaten, wie die Übersetzung deutscher Literatur ins Hebräische und umgekehrt. In den 70er Jahren wurde die westdeutsche Gesellschaft von Terrorakten linksradikaler Gruppen erschüttert. Diese Terrorgruppen kooperierten auch mit politischen und terroristischen palästinensischen Organisationen. Das Attentat auf israelische Sportler bei den olympischen Spielen in München 1972 und einige Flugzeugentführungen (das Air-France- Flugzeug, das im Mittelpunkt der „Entebbe-Affäre“ stand, wurde von palästinensischen und deutschen Terroristen entführt) waren Ausdruck dafür. Andererseits kamen ab diesen Jahren zahlreiche deutsche Freiwillige nach Israel, um für eine gewisse Zeit in Kibbutzim zu arbeiten, um so das Land und seine Einwohner kennen zu lernen.
 
In den 80er Jahren näherten sich die beiden deutschen Staaten zögerlich an, das kommunistische Regime im Osten wurde wirtschaftlich und ideologisch geschwächt. Im Herbst 1989 führten Massenflucht der Bürger in den Westen und Großdemonstrationen zum Zusammenbruch des Systems und schließlich zum Fall der Berliner Mauer am 9. November. Parallel zu diesen Entwicklungen ereigneten sich ähnlich Veränderungen in fast allen Ländern des kommunistischen Blocks, was letztlich die Situation Europas vollständig veränderte. Ein Jahr später vereinigten sich beide deutsche Staaten zur heutigen Bundesrepublik.